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So gelingt dir deine Preiskalkulation als Friseur

von | 3. Januar 2023

Einleitung

In diesem Artikel erfährst du:

  • Warum eine präzise Preiskalkulation wichtig ist
  • Welche Möglichkeiten der Preiskalkulation es für dich im Friseursalon gibt
  • Wie du Preise auch unabhängig von deiner Konkurrenz errechnen kannst

Was ist ein angemessener Preis für einen Haarschnitt? Wie viel solltest du für eine Hochsteckfrisur verlangen? Die Antworten auf diese Fragen sind in jedem Friseursalon anders und können nicht so einfach pauschalisiert werden. 

 

Dementsprechend ist die Preiskalkulation für Friseure vor allem in Abhängigkeit von den eigenen Kosten, der Nachfrage und dem Wettbewerb auf dem Markt wichtig.

Balance zwischen Profitabilität und Wettbewerb

Warum die Preiskalkulation als Friseur:in wichtig ist

Kein Unternehmen auf dieser Welt kann ohne klare Preisvorstellungen existieren. Oft ist die Frage nach dem Preis der eigenen Dienstleistung aber sehr schwer zu beantworten. Das gilt für junge Unternehmer:innen genauso wie für erfahrene Expert:innen. Die Kalkulation der eigenen Preise ist von sehr vielen Faktoren abhängig.

Am Ende sind zwei Punkte entscheidend: die eigene Wettbewerbsfähigkeit, aber auch die eigene Profitabilität.

Sind die Preise zu niedrig angesetzt, ist das Unternehmen zwar komplett ausgebucht, aber am Monatsende bleibt zu wenig Geld übrig. Sind die Preise zu hoch angesetzt, bleiben Kalender und Kasse leer. Es geht also darum, den “Sweet Spot” zu treffen, also den Preis zu kalkulieren, zu dem viele Kund:innen angezogen werden, gleichzeitig aber auch alle Kosten gedeckt werden können.

Als Faustregel gilt: Ist der Kalender voll, kannst du die Preise erhöhen. Ist der Kalender leer, solltest du die Preise senken. (Oder ins Marketing investieren, aber das ist dann eine andere Geschichte.)

Als Friseur:in ist es aber nicht so leicht, sich an diese Regel zu halten. Vielleicht hat gegenüber ein Friseursalon aufgemacht, der weitaus billiger Schnitte anbietet. Für viele Menschen ist Haarschnitt gleich Haarschnitt und sie suchen einfach nach dem günstigsten Preis. Hier kommt der Faktor Wettbewerb ins Spiel.

Kannst du mit den Preisen der Konkurrenz nicht mithalten, weil dies deine Profitabilität gefährden würde, hast du zwei Möglichkeiten: deine laufenden Kosten senken oder deine höheren Preise zu rechtfertigen.

Gleichzeitig möchtest du aber deine Mitarbeitenden fair bezahlen, selbst nicht am Hungertuch nagen und deiner Kundschaft guten Service bieten. Die Preisgestaltung als Friseur:in ist und bleibt leider eine unschöne Zwickmühle.

Wir fassen zusammen:

  • Du musst deine Preise so kalkulieren, dass du profitabel bleibst
  • Der ideale Preis ist der, zu dem dein Kalender zu 100 Prozent gefüllt ist und du keiner Kundschaft absagen musst
  • Als Friseur:in ist die Preiskalkulation schwer, da der Wettbewerb auf dem Markt sehr hoch ist
  • Der Preisdruck kann dich dazu zwingen, deine Kosten zu reduzieren oder dein Marketing zu verbessern
  • Faire Preise sind für alle Beteiligten wichtig: Dich selbst, deine Mitarbeitenden und deine Kundschaft

Mitarbeitende, Miete, Materialien: Kennst du alle Kostenstellen?

Faktoren für deine Preiskalkulation als Friseur:in

Typische Kostenstellen für Friseursalons:

  • Miete
  • Nebenkosten (Strom, Wasser)
  • Versicherungen
  • Verwaltung (Kasse, Buchungssystem)
  • Marketing
  • Gehälter für Mitarbeitende
  • Unternehmergehalt
  • Werkzeuge (Schere, Bürste)
  • Elektrogeräte
  • Materialien (Färbemittel, Shampoo)

Gerade weil du dich als Friseur:in bei deiner Preiskalkulation in einer Zwickmühle befindest, solltest du immer eine genaue Übersicht über deine Kosten haben. Was geht im Monat raus? Letztlich müssen deine monatlichen Kosten durch deine monatlichen Einnahmen gedeckt werden. Darauf basieren deine Preise.

Wir empfehlen, deine Kosten auf den Monat umzurechnen und ständig zu aktualisieren. Mach das idealerweise über ein geeignetes Programm. Für Puristen können auch Excel, Notion oder sogar ein sauber geführtes Notizbuch reichen. Hauptsache, du hast immer den aktuellen Blick darauf, was pro Monat an Geld rausgeht.

Ganz einfach gedacht könntest du jetzt deine Kosten, anders gesagt dein Monats-Soll-Umsatz, durch die Anzahl der gegebenen Haarschnitte im letzten Monat teilen und wüsstest ungefähr, was ein Haarschnitt bei dir kosten sollte.

Doch in der Praxis ist es natürlich nicht so leicht. Du bietest mehr Services an, die eine unterschiedliche Dauer haben, von unterschiedlichen Mitarbeitenden durchgeführt werden und unterschiedliche Materialien benötigen.

Notizbuch holen: Es wird kompliziert!

Preise für einzelne Friseurleistungen kalkulieren

Der Preis für eine einzelne Leistung setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen:

  • Materialkosten
  • Stundenlohn des Mitarbeitenden pro Arbeitszeit
  • Gewinnaufschlag
  • Umsatzsteuer

So weit, so logisch. Aber das ist leider noch nicht alles. Einige Kosten müssen umgelegt werden.

Einfacher gesagt: Deine Miete muss ja durch alle Leistungen zusammen irgendwie bezahlt werden.

Das gilt für folgende Kosten:

  • Gemeinkosten (z. B. Miete, Software, Energiekosten, Gehälter von Rezeptionist:in)
  • Leerlaufkosten (z. B. Zeit zwischen Terminen, Putzen, Telefonieren)

Deshalb brauchen wir mehrere Schritte, um die Gesamtkosten einer Leistung zu berechnen.

Klicke dich hier durch die entsprechenden Schritte, um immer die Übersicht zu behalten.

Personalfaktor
Was kostet eine Arbeitsstunde?
Gemeinkosten umlegen
Materialkosten erheben
Zwischensumme erechnen
Gewinn & USt aufschlagen

Schritt 1: Personalfaktor

Der Personalfaktor ist für spätere Berechnungen wichtig. Im Grunde gibst du hier pro Mitarbeitenden den Anteil an einer Vollzeitkraft an. Eine Teilzeitkraft mit 20 Stunden ist eine 50-Prozent-Kraft, erhält also den Wert 0,5. Eine Teilzeitkraft mit 32 Stunden ist eine 80-Prozent-Kraft, erhält also den Wert 0,8.

Auszubildende kannst du je nach Ausbildungsjahr und Einbindung bei dir in den Salon schätzen. Zum Beispiel Anfangs mit 0,2 bis am Ende 0,8. Dafür hast du das beste Gefühl: Wie viel Prozent der 40 Stunden pro Woche sind deine Auszubildenden in deinem Salon aktiv?

Am Ende zählst du alle Personalfaktoren zusammen und erhältst einen gesamten Personalfaktor.

Beispiel:

  • Zwei Vollzeitkräfte
  • Ein Auszubildender im ersten Jahr
  • Du mit 32 Stunden im Salon

1,0 + 1,0 + 0,2 + 0,8 = 3,0

Schritt 2: Was kostet eine Arbeitsstunde bei dir?

Beispiel
Du brauchst: Deine Personalkosten pro Monat Monatliche Personalkosten: 5.900 €
Schätze zudem die durchschnittliche Auslastung deiner Mitarbeitenden: 100 Prozent bedeutet, sie arbeiten jede Minute am Kunden. Realistisch sind meist 70 bis 80 Prozent. Auslastung: 75 Prozent
1. Teile deine monatlichen Personalkosten durch 16 (für 16 Werktage pro Monat) 5.900 / 16 = 368,75 (Kosten pro Tag)
2. Teile das Ergebnis durch den gesamten Personalfaktor 368,75 / 3 = 122,91 (Personalfaktor aus Schritt 1)
3. Teile das Ergebnis durch die Arbeitszeit einer Vollzeitkraft bei dir pro Tag (vermutlich 8 Stunden) 122,91 / 8 = 15,36 (Kosten pro Stunde)
4. Teile das Ergebnis durch deinen Auslastungsfaktor 15,36 / 75 = 0,204
5. Multipliziere das Ergebnis mit 100 0,204 * 100 = 20,4 (Kosten pro Stunde bei 75 Prozent Auslastung)

Schritt 3: Gemeinkosten auf Arbeitsstunde umlegen

Beispiel
Dafür brauchst du: Deine Gemeinkosten pro Monat Monatliche Gemeinkosten: 1.000 €
1. Teile deine monatlichen Gemeinkosten durch 16 1000 / 16 = 62,5
2. Teile das Ergebnis durch den gesamten Personalfaktor 62,5 / 3 = 20,83
3. Teile das Ergebnis durch die Arbeitszeit einer Vollzeitkraft bei dir pro Woche 20,83 / 8 = 2,60
4. Teile das Ergebnis durch deinen Auslastungsfaktor 2,60 / 75 = 0,0347
5. Multipliziere das Ergebnis mit 100 0,0347 * 100 = 3,47

Schritt 4: Materialkosten erheben

Welche Materialien kommen zum Einsatz und was kosten dich diese? Was kostet zum Beispiel das Haarfärbemittel?

Wichtig: Beachte hier den “echten” Preis der Materialien. Wenn du das Haarfärbemittel mit Mengenrabatt bekommen hast, solltest du diesen berücksichtigen.

Beispiel: Materialkosten für Haarefärben bei 10 €

Schritt 5: Rechne alles zusammen

Für diesen Schritt brauchst du 3 Werte:
Das Ergebnis von Schritt 2: Die Kosten einer Arbeitsstunde 20,4 Euro pro Stunde durch Personalkosten
Das Ergebnis von Schritt 3: Die umgelegten Gemeinkosten pro Stunde 3,47 Euro pro Stunde durch Gemeinkosten
Das Ergebnis von Schritt 4: Die Materialkosten 10 Euro Materialkosten
Rechne nun alle Kosten zusammen! Das Ergebnis bezieht sich nun auf eine Stunde. Dauert die Leistung 1,5 Stunden, musst du dein Ergebnis mit 1,5 multiplizieren.

33,87 Euro pro Stunde Haarefärben.

Haarefärben dauert nur 45 Minuten: 33,87 * 0,75 = 25,40 Euro

Schritt 6: Schlage Gewinn und Steuer auf

Du hast nun absoluten Mindestpreis für deine Leistung errechnet. Deshalb schlage nun den Gewinn auf und die Umsatzsteuer auf. Beispiel
Gewinn

15 Prozent Gewinn

25,40 * 1,15 = 29,21 Euro

Umsatzsteuer

19 Prozent Umsatzsteuer

29,21 * 1,19 = 34,76 Euro

Bitte beachte, dass die Zahlen in diesem Beispiel für die Preiskalkulation als Friseur:in nicht realistisch sind. Es wurden Zahlen verwendet, mit denen leicht gerechnet werden kann. Die Kosten sind vermutlich in der Praxis in jedem Bereich höher. Bitte beachte auch, dass wir keine Verantwortung für deine Kalkulation übernehmen können! Wir sind weder eine Finanzberatung, noch ein Business Coach. Das hier ist eine Standardkalkulation, im Einzelfall können andere oder weitere Rechenschritte nötig sein.

Geht das nicht auch einfacher?

Du suchst nach einer einfacheren Lösung?

Ganz ehrlich: Mir ist beim Schreiben dieses Artikels fast der Kopf abgeraucht. Und ich habe den Mist studiert. In der Praxis stelle ich mir die Preiskalkulation in einem Friseursalon nochmal um einiges komplizierter vor.

Deshalb kommen wir beide wohl zum gleichen Fazit: Das muss doch einfacher gehen?

Ja und Nein. Du kannst zwar deine Preise auch einfach an der Konkurrenz festmachen und sagen: “Wenn der Herr Meier drüben 20 Euro für den Schnitt verlangt, dann nehme ich auch 20 Euro”, aber dann reizt du vielleicht nie dein Potenzial aus oder noch schlimmer kommst in Schwierigkeiten, weil der Herr Meier eben einen ganz alten Mietvertrag hat und nur die Hälfte an Miete zahlt wie du.

Was du aber auch versuchen kannst, ist die Preise deiner Leistungen anhand historischer Daten oder Schätzungen zu bestimmen. Wenn du weißt, dass du im Monat ca. 13.000 Euro ausgibst, aber nur 12.000 Euro umgesetzt hast, kannst du daraus schließen, dass du deine Preise erhöhen musst, wenn du die Kosten nicht weiter senken kannst.

Dann kannst du an sehr beliebten Leistungen ansetzen. Zufriedene Kundschaft zahlt auch mal 2 Euro mehr für einen Haarschnitt, wenn sonst alles prima ist. Aber du stocherst immer ein wenig im Dunkeln, das Problem bleibt leider bestehen. Wenn du diesen Ansatz wählst, empfehle ich dir unbedingt unseren kostenlosen Rechner, um herauszufinden, welche Leistung dir am meisten Gewinn bringt!

Sehr detaillierte Einblicke in dein Unternehmen erhältst du auch, wenn du mit der Shore Software arbeitest. Dann fällt der Blick in die Historie deutlich einfacher aus und dank umfangreicher Statistiken kannst du ganz easy deine Finanzen analysieren.

Kommunikation is key!

Preiskalkulation ist nicht alles – Preise richtig kommunizieren

Zum Ende hin sei noch angemerkt, dass es mit einer Preiskalkulation noch nicht getan ist. Als Friseur:in bist du in einem massiven Konkurrenzfeld unterwegs. Und wie bereits eingangs erwähnt: Für viele Menschen ist eine Frisur eben eine Frisur, der Rest ist ihnen relativ egal.

Egal wie deine nach deiner Kalkulation ausfallen – du musst dir unbedingt Gedanken dazu machen, wie du sie kommunizierst. Mach deutlich, warum deine Leistungen mehr kosten als bei der Konkurrenz. Sind es nachhaltige Materialien? Ein besonders schöner Salon mit Wohlfühlfaktor? Ein herausragender Service? Fairere Arbeitsbedingungen und Löhne als bei der Konkurrenz?

Oft wird vergessen, dass auch niedrige Preise Interesse wecken. Warum unterbietest du deine Konkurrenz? Diese Grundlage kann später hilfreich sein, wenn du deine Preise erhöhen möchtest: “Bisher waren wir so günstig, weil wir besondere Mietkonditionen hatten. Seit dem 1. Januar ist das leider nicht mehr der Fall.”

Zusammenfassung

Als Friseur:in kommst du nicht um eine genaue Preiskalkulation herum. Du solltest dir die Mühe machen, wichtige Zahlen zusammenzutragen und anschließend Preise für deine einzelnen Leistungen zu kalkulieren, um Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit deines Friseursalons zu sichern.

Es gibt aber bei der Preiskalkulation keinen „wahren“ Weg. Die beste Rechnung kann umsonst sein, wenn deine Konkurrenz dich aufgrund anderer Faktoren meilenweit unterbietet.

Aus diesem Artikel solltest du mitnehmen:

  • Eine Preiskalkulation ist entscheidend für deinen Erfolg
  • Die Berechnung der Preise einzelner Leistungen ist kompliziert
  • Wenn du genau arbeiten willst, solltest du dir die Mühe aber machen

Gewinnkalkulator

Weißt du, welche Leistung dir den meisten Gewinn einbringt? Diese Frage ist zentral für den Erfolg deines Salons. Mit unserer Vorlage kannst du es kostenlos berechnen.

Lohnfaktor kalkulieren

Hast du dich schonmal mit deinem Lohnfaktor beschäftigt? Für dich als Friseur:in ist er neben der Preiskalkulation ein weiterer wichtiger Punkt für den Erfolg.

Ben

Ben

Ben hat Abschlüsse in Management und Psychologie. Bei Shore jongliert er deshalb gerne mit Zahlen und hat ein genaues Auge auf alles, was mit Kommunikation zu tun hat.

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