Schadensersatz bei geplatztem Friseurtermin? 3 Irrtümer

von | 16. November 2022

Einleitung

In diesem Artikel erfährst du:

  • Die größten Irrtümer im Bezug auf Schadenersatz bei geplatzten Terminen
  • In welche Rechtsfallen du als Dienstleister:in schnell tappen kannst
  • Wie du besser mit Terminausfällen umgehen kannst

Termin vergessen, krank geworden, falsches Datum notiert – für Frisierende kommt das alles auf das Gleiche heraus: der Termin fällt aus und man kann den entstandenen Schaden oft nur schwer kompensieren. So manchem/r Friseur:in reicht es da verständlicherweise irgendwann. Wir räumen mit den größten Irrtümern zu diesem Thema auf!

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Irrtum 1

Erscheint meine Kundschaft nicht zum vereinbarten Termin, kann ich ihr den gesamten Betrag der Arbeit in Rechnung stellen

Entsteht dem/r Friseur:in durch den ausgefallenen Termin ein Schaden, ist der/die Kund:in theoretisch schadensersatzpflichtig. Dies ergibt sich aus § 642 Absatz 1 BGB. Allerdings kann beispielsweise bei einem geplatzten Färbetermin nicht einfach der komplette Betrag für eine Färbebehandlung in Rechnung gestellt werden. Bei der Berechnung der Höhe der Entschädigung muss nämlich auch berücksichtigt werden, dass sich der/die Frisierende durch den ausgefallenen Termin ja auch Kosten gespart hat (z.B. Strom, Wasser, Haarfarbe, etc.). Außerdem konnte vielleicht stattdessen anderere Laufkundschaft bedient werden. Den entstandenen Schaden genau zu berechnen und nachzuweisen, ist daher oft schwierig. Hinzu kommt, dass der/die Kund:in über mögliche Schadensersatzzahlungen im Vorhinein informiert werden muss.

§ 642 Mitwirkung des Bestellers

(1) Ist bei der Herstellung des Werkes eine Handlung des Bestellers erforderlich, so kann der Unternehmer, wenn der Besteller durch das Unterlassen der Handlung in Verzug der Annahme kommt, eine angemessene Entschädigung verlangen.
(2) Die Höhe der Entschädigung bestimmt sich einerseits nach der Dauer des Verzugs und der Höhe der vereinbarten Vergütung, andererseits nach demjenigen, was der Unternehmer infolge des Verzugs an Aufwendungen erspart oder durch anderweitige Verwendung seiner Arbeitskraft erwerben kann.
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)

Irrtum 2

Wenn ein Termin platzt, kann ich die geleistete Anzahlung einfach einbehalten

Viele Friseur:innen arbeiten mittlerweile mit Anzahlungen, die bei der Terminvereinbarung geleistet werden müssen. Der Gedanke dahinter: Kund:innen halten ihren Termin eher ein, wenn sie einen Teil davon schon bezahlt haben. Das ist aber auch schon alles. Denn Frisierende dürfen Anzahlungen für einen versäumten Termin nicht einfach einbehalten. Rechtlich gesehen ist eine Anzahlung nämlich eine Teilzahlung der Vergütung und kann nicht als Vertragsstrafe genutzt werden. Anzahlungen müssen also auch im Falle eines ausgefallenen Termins zurückgezahlt werden, es sei denn, man macht den Anspruch auf Entschädigung für den Ausfall geltend und verrechnet die Anzahlung damit.

Irrtum 3

Es lohnt sich, von meinen Kunden Schadensersatz zu verlangen

Schadensersatz für ausgefallene Termine zu erhalten klingt zwar verlockend. Hier muss man aber bedenken, dass man seine Kundschaft in den meisten Fällen dafür verklagen müsste. Dann bekommt man vielleicht Recht, erhält die Schadensersatzzahlung – und hat garantiert eine/n Kund:in weniger. Und der erzählt die ganze Geschichte ziemlich wahrscheinlich zehn Bekannten weiter. Das Ergebnis: Unzufriedene Kundschaft und ein zerstörtes Image.

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Zusammenfassung

Terminausfällen mit Klagen und rechtlichen Schritten beizukommen, kann schnell nach hinten losgehen. Statt seine Kundschaft also mit möglichen Entschädigungen zu drohen, könnte man sie auch mit einem guten Service locken: Denn sehr viele Buchungssysteme bieten heute automatische Terminerinnerungen an. 

 

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Aus diesem Artikel solltest du mitnehmen:

  • Rechtliche Schritte gegen Kundschaft einzuleiten kann schnell nach hinten losgehen
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Anna

Anna

Anna ist eine begeisterungsfähige Person, die viel und gerne über alle Themen schreibt, die sie interessieren und sich gerne in der Nähe von Gewässern, lieben Menschen und manchmal zu lange an der richtigen Wortwahl aufhält. Wird schnell ungeduldig, wenn etwas zu lange dauert, kann aber gleichzeitig etliche Stunden im richtigen Buchladen verbringen und sich dort vor allem schwer vom Wühltisch mit den Alpenkrimis losreißen. Ist darüber hinaus der festen Überzeugung, dass Obst besser schmeckt, wenn Mütter es aufschneiden oder man es auf einem Berggipfel isst.