Mehr Trinkgeld für deinen Service: So funktioniert die Trinkgeldkultur im DACH-Raum
Als Friseur, Kosmetikerin oder Masseur kennst du das: Ein zufriedener Kunde gibt dir nach einem gelungenen Service ein großzügiges Trinkgeld, das deinen Tag versüßt. Aber wie viel Trinkgeld ist eigentlich normal? Und welche Tricks können dir helfen, deine Einnahmen durch Trinkgelder zu steigern?
Bei Shore haben wir aktuelle Daten zur Trinkgeldkultur im deutschsprachigen Raum analysiert – und teilen mit dir die wichtigsten Erkenntnisse und praxisnahe Tipps, die dir direkt mehr Euros in die Tasche spülen werden.
Die Trinkgeldkultur im DACH-Raum: Zahlen und Fakten
Im deutschsprachigen Raum gelten eigene Regeln beim Trinkgeld. Anders als in den USA, wo 15-20% Standard sind, sieht es bei uns so aus:
Deutschland: Land der moderaten Trinkgeldgeber
- 72% der Deutschen geben in Dienstleistungsbetrieben regelmäßig Trinkgeld
- Die meisten geben zwischen 5-10% des Rechnungsbetrags
- Bei einem 50€-Service geben etwa 75% der Kunden zwischen 2€ und 5€ Trinkgeld
Das ist grundsätzlich nicht schlecht! Besonders erfreulich: Während der Corona-Pandemie haben sogar 32% der Deutschen mehr Trinkgeld gegeben als zuvor – ein Zeichen für die Wertschätzung persönlicher Dienstleistungen.
Österreich: Ähnlich, aber mit Besonderheiten
- Auch hier sind 5-10% üblich
- Es gibt spezielle Trinkgeldpauschalen für bestimmte Berufe (z.B. 70€ monatlich für Friseure)
- Oft stehen bei der Kasse namentlich gekennzeichnete Sparschweine für einzelne Mitarbeiter, das kennen wir ja auch aus Deutschland
Schweiz: Offiziell abgeschafft, praktisch lebendig
- Obwohl Trinkgeld offiziell 1974 abgeschafft wurde, geben 85% der Schweizer in Restaurants Trinkgeld
- Der durchschnittliche Prozentsatz liegt bei etwa 6%
- Viele runden einfach auf den nächsten Fünf-Frankenbetrag auf
Was deine Kunden wirklich geben: Branchenspezifische Unterschiede
Je nach Dienstleistungsbereich variiert die Trinkgeldhöhe erheblich. Hier ein Überblick für die wichtigsten Servicebranchen:
Friseure und Haarsalons
- 56% der Kunden geben beim Friseur Trinkgeld
- Bei einem Haarschnitt für 20€: 1-2€ Trinkgeld (5-10%)
- Bei einem Haarschnitt für 50€: 5€ Trinkgeld (10%)
- Bei aufwendigen Behandlungen wie Färben oder Balayage: 5-10€ Trinkgeld
„Besonders bei Stammkunden, die alle 4-6 Wochen kommen, bekomme ich fast immer Trinkgeld. Es macht am Ende des Monats etwa 15-20% meines Einkommens aus – also einen erheblichen Unterschied!“ (Friseurmeisterin Mara)
Kosmetik- und Schönheitsdienstleistungen
- Bei einer Gesichtsbehandlung für 80€: 4-8€ Trinkgeld (5-10%)
- Bei umfassenden Behandlungen: 5-10€
- Nagelstudios bekommen tendenziell höhere Prozentsätze: 10-20%
- Bei einer einfachen Maniküre (25€): 2-5€ (8-20%)
- Bei einer Neumodellage mit Design (42€): 3-8€ (7-19%)
Wellness- und Spa-Dienstleistungen
- Normale Behandlungen: 5-10% Trinkgeld
- Besonders aufwendige oder wohltuende Behandlungen: 10-15%
- Bei einer Massage für 60€: 3-6€ Trinkgeld
- Bei längeren oder speziellen Massagen: 5-10€
Wichtig zu wissen: Bei medizinischen Massagen (Physiotherapie) ist Trinkgeld eher unüblich. In Schweizer Spa-Hotels ist der Service-Zuschlag oft bereits im Preis inbegriffen.
Bargeld vs. digitale Zahlung: Wie sich dein Trinkgeld verändert
Die zunehmende Verbreitung bargeldloser Zahlungen hat die Trinkgeldkultur grundlegend verändert – und nicht immer zum Positiven.
Die harten Fakten:
- 57% der Schweizer bevorzugen Bargeld für Trinkgeld
- 43% der Schweizer geben mehr Trinkgeld, wenn sie bar zahlen
- Nur 5% geben mehr Trinkgeld bei Kartenzahlung
Aber nicht alles ist schlecht: Eine Mastercard/orderbird-Studie zeigt, dass 86,4% der deutschen Gäste auch bei Kartenzahlung Trinkgeld geben. 10,7% geben bei Kartenzahlung sogar mehr als bei Barzahlung.
Digitale Lösungen für mehr Trinkgeld
Die gute Nachricht: Es gibt mittlerweile clevere digitale Lösungen, die das Trinkgeldgeben erleichtern:
- QR-Code-basierte Systeme
- Integrierte Trinkgeldfunktionen in Kartenterminals wie bei Shore Pay
- 59% der Kunden finden Trinkgeld-Vorschläge bei Kartenzahlung praktisch
„Nachdem wir ein digitales Bezahlsystem mit Trinkgeldvorschlägen eingeführt haben, sind unsere Trinkgelder um etwa 15% gestiegen. Die Kunden finden es praktisch, nicht mehr nach Kleingeld suchen zu müssen.“ (Tom, Berlin)
Psychologie des Trinkgelds: 9 wissenschaftlich bewiesene Tricks für mehr Euros
Wusstest du, dass kleine Änderungen in deiner Kommunikation und deinem Auftreten das Trinkgeld drastisch erhöhen können? Hier die effektivsten Techniken, die durch wissenschaftliche Studien belegt sind:
1. Wiederhole die Wünsche des Kunden
Einfach, aber extrem wirksam: Wenn du die Wünsche und Anforderungen deines Kunden wiederholst („Also gut, Sie möchten einen klassischen Bob mit leichten Stufen und etwas mehr Volumen am Oberkopf, richtig?“), steigt dein Trinkgeld um bis zu 50%! Die Wiederholung zeigt, dass du wirklich zugehört hast. Psychologen nennen das Paraphrasieren, man kann es auch kompliziert machen.
2. Stelle dich persönlich vor
„Hallo, ich bin Sarah und kümmere mich heute um dich.“ Diese einfache persönliche Vorstellung schafft sofort eine Verbindung und führt zu besseren Trinkgeldern. Menschen geben lieber Personen Trinkgeld, die sie beim Namen kennen.
3. Nutze die Macht der Farbe
Klingt unglaublich, ist aber wahr: Rote Kleidung führt bei weiblichem Servicepersonal zu 14-26% höherem Trinkgeld. Wenn dein Salon keine Arbeitskleidung vorschreibt, könnte ein rotes Accessoire oder Oberteil einen Versuch wert sein.
4. Setze auf Augenhöhe
Eine faszinierende Erkenntnis: Wenn du dich bei der Beratung oder beim Kassieren auf Augenhöhe mit dem Kunden begibst (also dich beispielsweise hinhockst, wenn der Kunde sitzt), steigt dein Trinkgeld um etwa 20%.
5. Verwende handschriftliche Dankesnachrichten
Ein handgeschriebenes „Danke“ oder „Vielen Dank für Ihren Besuch!“ auf der Rechnung erhöht das Trinkgeld um etwa 2%.
6. Smiley auf der Rechnung
Bei weiblichen Dienstleisterinnen führt ein auf die Rechnung gezeichneter Smiley zu etwa 5% mehr Trinkgeld. Ein kleiner Aufwand mit messbarer Wirkung!
7. Leichte Berührungen am Arm oder an der Schulter
Eine leichte, angemessene Berührung an der Schulter während der Beratung oder Verabschiedung kann das Trinkgeld um 14% steigern, an der Hand sogar um 17%. Natürlich ist hier Fingerspitzengefühl gefragt – achte darauf, ob der Kunde offen für solche Gesten ist.
8. Kleine Extras mit der Rechnung
Überraschende Extras wirken Wunder: Ein kleines Bonbon oder ein Erfrischungstuch zur Rechnung kann das Trinkgeld um bis zu 20% steigern! Besonders wirksam ist dies, wenn das Extra zusammen mit der Rechnung überreicht wird.
9. Schaffe eine persönliche Verbindung
Eine aktuelle amerikanische Studie zeigt: Wenn Kunden eine persönliche Verbindung zum Dienstleister spüren, geben sie durchschnittlich 27% mehr Trinkgeld. Erzähle etwas Persönliches (aber Unverfängliches), frage nach ihrem Tag oder merke dir Details für den nächsten Besuch. Guckst du hier: Smalltalk lernen.
„Seit ich mir die Hobbys und Vorlieben meiner Stammkundinnen notiere und sie beim nächsten Besuch darauf anspreche, hat sich mein Trinkgeld spürbar erhöht. Die Kundinnen fühlen sich wertgeschätzt und nicht wie eine Nummer.“
Schon gewusst? Mit Shore kannst du solche Infos zu deinen Kunden hinterlegen und dann beim nächsten Termin perfekt vorbereitet sein.
Stammkunden vs. Neukunden: So holst du mehr aus beiden Gruppen heraus
Die Trinkgeldmuster unterscheiden sich deutlich zwischen Stamm- und Neukunden. Hier erfährst du, wie du bei beiden punkten kannst:
Stammkunden: Die goldene Basis
Stammkunden sind deine Trinkgeld-Goldgrube! Sie generieren im Einzelhandel etwa 66% des Umsatzes und sind oft großzügiger mit Trinkgeld, wenn sie dich über längere Zeit kennen und schätzen.
Strategien für mehr Trinkgeld bei Stammkunden:
- Merke dir persönliche Details und sprich sie beim nächsten Besuch an
- Biete gelegentlich kleine Extras oder Upgrades an (z.B. eine kurze Kopfmassage beim Haarewaschen)
- Zeige Wertschätzung für ihre Treue
- Erwähne neue Services oder Produkte, die zu ihren Vorlieben passen könnten
„Im Shore Kalender speichere ich Geburtstage, Vorlieben und besondere Ereignisse. Wenn eine Stammkundin kommt und ich sie frage, wie der Urlaub in Italien war, den sie vor drei Monaten erwähnt hat, ist sie jedes Mal begeistert – und das Trinkgeld entsprechend großzügiger.“ (Maria)
Neukunden: Der wichtige erste Eindruck
Bei Neukunden entscheidet oft der erste Eindruck über die Trinkgeldhöhe. Ihr Verhalten ist stärker von einzelnen Serviceeindrücken abhängig.
Strategien für mehr Trinkgeld bei Neukunden:
- Investiere Zeit in eine gründliche Beratung
- Frage aktiv nach Wünschen und Vorlieben
- Erkläre deine Arbeitsschritte verständlich
- Überrasche mit einer kleinen Geste (Getränk, kurze Handmassage etc.)
- Vermeide jede Form von Zeitdruck
Achte dabei auch auf generationsspezifische Unterschiede: Die Generation Z gibt laut aktuellen Studien seltener Trinkgeld als ältere Generationen – 22,1% der Gen Z geben gar kein Trinkgeld. Hier kann eine aktive, auf Digital Natives zugeschnittene Kommunikation helfen. Wir haben uns gefragt: Liegt es vielleicht daran, dass die Gen Z so selten Bargeld dabei hat? Probiere am besten aus, Trinkgeld beim Abrechnen via Karte anzubieten.
Online-Buchung und Vorauszahlung: Wie sich das Trinkgeldverhalten verändert
Die zunehmende Verbreitung von Online-Buchungen und Vorauszahlungen stellt Dienstleister vor neue Herausforderungen. Denn wer bereits vorab bezahlt hat, denkt oft nicht mehr an Trinkgeld.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Bei Vorauszahlungen fällt das Trinkgeld tendenziell niedriger aus
- Psychologisch betrachtet wird Trinkgeld als Belohnung für bereits erhaltenen Service gesehen
- Bei Nachzahlungen wird durchschnittlich mehr Trinkgeld gegeben als bei Vorauszahlungen
Intelligente Lösungen für das Vorauszahlungs-Dilemma
- Teilzahlungen statt Vollzahlungen: Wenn möglich, nimm nur eine Anzahlung (20-30% des Servicepreises) und den Rest vor Ort. So bleibt der natürliche Moment für das Trinkgeld erhalten. (Insider Tipp: Bei Shore arbeiten wir an Anzahlungen!)
- Digitale Nachzahlung ermöglichen: Biete nach dem Service eine einfache Möglichkeit zur digitalen Trinkgeldgabe.
- Klare Kommunikation: Erkläre bei Vorauszahlungen, wie Kunden nach dem Service Trinkgeld geben können.
- Personalisierte Erinnerung: Eine freundliche, nicht aufdringliche Erinnerung nach dem Service kann Wunder wirken.
„Wir lassen unsere Kunden bei Wunsch ihre Termine direkt bei der Buchung via Shore und PayPal zahlen. Im Geschäft bitten wir sie dann vor dem Gehen noch kurz an den Tresen für 1-2 Fragen. Dabei geben die meisten unaufgefordert Trinkgeld, weil die Schweinchen dort stehen.“ (Tom)
Regionale Unterschiede im DACH-Raum: Was du wissen solltest
Die Trinkgeldkultur unterscheidet sich regional stärker als man denkt. Das solltest du wissen, wenn du in verschiedenen Regionen arbeitest oder Kunden aus unterschiedlichen Teilen des DACH-Raums betreust:
Deutschland: Regionale Spitzenreiter
- Laut Studien sind Hamburger die großzügigsten Trinkgeldgeber
- Kölner gelten als eher zurückhaltend beim Trinkgeld
- In Berlin liegt der Durchschnitt meist bei 8-10% in Servicebranchen
Schweiz: Rösti-Graben beim Trinkgeld
- Deutschschweizer geben großzügiger Trinkgeld (85% geben regelmäßig Trinkgeld)
- Im Tessin geben nur 71% regelmäßig Trinkgeld
- In der Romandie sind es noch weniger
Österreich: Servicepauschalen
- Österreich hat ein formelleres System mit Trinkgeldpauschalen
- In Wien ist Trinkgeld stärker in der Kultur verankert als in ländlichen Regionen
- Die persönliche Übergabe des Trinkgelds ist wichtiger als in den Nachbarländern
Sandra, eine mobile Kosmetikerin, die in der Grenzregion Deutschland-Österreich-Schweiz arbeitet, erzählt: „Ich passe meine Erwartungen an. In der Schweiz fragen mich Kunden oft explizit, ob der Service bereits alles beinhaltet, während österreichische Kunden meist selbstverständlich Trinkgeld geben. Deutsche Kunden fragen häufig, ob man mit Karte inklusive Trinkgeld zahlen kann.“
Die rechtliche Seite des Trinkgelds – so behältst du den Überblick
Kein spannendes, aber ein wichtiges Thema: Wie steht es um die steuerliche Behandlung von Trinkgeldern?
Deutschland
- Trinkgelder für Angestellte sind steuerfrei (§ 3 Nr. 51 EStG)
- Für Inhaber sind Trinkgelder hingegen steuerpflichtig
- Bei Kartenzahlungen mit Trinkgeld sollte die Abrechnung sauber dokumentiert werden
Österreich
- System der Trinkgeldpauschalen
- Trinkgelder sind sozialversicherungspflichtig, aber nicht lohnsteuerpflichtig
- Genaue Dokumentation ist wichtig
Schweiz
- Theoretisch müsste das Trinkgeld auf dem Lohnausweis erscheinen und versteuert werden, wenn es einen „wesentlichen Teil des Lohns“ (praxisgemäß 10% oder mehr) darstellt
- In der Praxis wird dies oft anders gehandhabt
Andrea, Steuerberaterin für kleine Dienstleistungsbetriebe, rät: „Dokumentiert eure Trinkgeldeinnahmen sorgfältig, auch wenn sie in Deutschland für Angestellte steuerfrei sind. Bei Betriebsprüfungen kann dies relevant werden, besonders wenn ihr mit digitalen Zahlungssystemen arbeitet.“
Zusammenfassung: Dein Aktionsplan für mehr Trinkgeld ab morgen
Die wichtigsten Erkenntnisse zum Mitnehmen:
- Die Basis stimmt: Mit 5-10% Trinkgeld im DACH-Raum gibt es eine solide Grundlage für zusätzliche Einnahmen.
- Persönliche Verbindung aufbauen: Der wichtigste Faktor für mehr Trinkgeld ist die persönliche Beziehung zum Kunden. Stelle dich namentlich vor, merke dir Details und biete individuellen Service.
- Kleine psychologische Tricks nutzen: Wiederhole Kundenwünsche, verwende rote Kleidungsstücke oder Accessoires, begib dich auf Augenhöhe und setze leichte Berührungen gezielt ein.
- Digitalisierung clever nutzen: Implementiere bei bargeldlosen Zahlungen klare Trinkgeldoptionen, idealerweise mit deinem Foto und Namen versehen.
- Regionale Unterschiede beachten: Passe deine Erwartungen und Strategien an regionale Besonderheiten an.
- Bei Vorauszahlungen gegensteuern: Biete einfache Möglichkeiten für Trinkgeld nach dem Service an, auch wenn vorab bezahlt wurde.
Mit diesen Strategien kannst du deine Trinkgeldeinnahmen spürbar steigern – und das ohne den Kern deines Services zu verändern. Probiere verschiedene Ansätze aus und finde heraus, was in deinem spezifischen Umfeld am besten funktioniert!
Hast du eigene Erfahrungen mit erfolgreichen Trinkgeld-Strategien? Teile sie mit uns in den Kommentaren!

