Schwarzarbeitsgesetz: Diese neuen Pflichten kommen auf Friseursalons zu
Die Zeiten, in denen Friseursalons weitgehend unbehelligt von Behördenkontrollen arbeiten konnten, sind vorbei. Noch 2025 wird das Friseurhandwerk ins Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz aufgenommen – mit weitreichenden Folgen für alle Salonbetreiber. Was das konkret für dich bedeutet und wie du dich am besten vorbereitest.
Warum Friseure jetzt ins Visier der Behörden geraten
Das Problem ist real: Der Friseurbranche entgehen jährlich mindestens 1,4 Milliarden Euro Umsatz durch Schwarzarbeit. Illegale Beschäftigung, nicht gemeldete Mitarbeiter und Verstöße gegen den Mindestlohn schädigen nicht nur das Steuer- und Sozialsystem, sondern gefährden auch die Existenz seriös arbeitender Betriebe.
Die Politik hat reagiert. Im aktuellen Koalitionsvertrag ist die Aufnahme des Friseurhandwerks in das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (SchwarzArbG) fest verankert. Damit wird die Branche künftig als besonders anfällig für Schwarzarbeit eingestuft – genau wie das Baugewerbe, die Gastronomie oder die Gebäudereinigung.
Die Zahlen: So oft wurden Salons 2024 bereits kontrolliert
Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) – eine Behörde des deutschen Zolls – hat bereits 2024 deutlich gemacht, wo sie steht: 1.114 Arbeitgeberprüfungen wurden in Friseur- und Kosmetiksalons durchgeführt, über 10.000 Personen befragt oder überprüft. Damit landeten Friseure auf Platz 5 der am häufigsten kontrollierten Branchen.
Das klingt nach viel, ist aber nur ein Bruchteil: Gerade mal 0,7 Prozent aller deutschen Friseur- und Kosmetikbetriebe wurden kontrolliert. Die Ergebnisse waren dennoch ernüchternd: 1.353 Strafverfahren und 1.406 Ordnungswidrigkeitsverfahren wurden eingeleitet. Die aufgedeckte Schadenssumme belief sich auf fast 2 Millionen Euro.
Die häufigsten Verstöße: illegaler Aufenthalt der Beschäftigten, Beitragsbetrug bei Sozialversicherungen und Verstöße gegen das Mindestlohngesetz. Über die Hälfte aller Ordnungswidrigkeitsverfahren standen im Zusammenhang mit fehlenden Arbeitsgenehmigungen oder Aufenthaltstiteln.

Schwarzarbeitsgesetz: Das ändert sich 2025 für Friseure
Mit der Aufnahme ins SchwarzArbG werden die Kontrollen deutlich intensiver. Die FKS kann dann gezielter und häufiger in Friseurbetrieben auftauchen – meist unangemeldet. Die Kontrolleure prüfen dabei alles: von Arbeitsverträgen über Lohnabrechnungen bis hin zu Stundenlisten.
Was konkret kontrolliert wird:
- Legale Beschäftigung aller Mitarbeiter (keine Scheinselbstständigkeiten)
- Einhaltung des Mindestlohns und korrekte Arbeitszeiten
- Ordnungsgemäße Anmeldung bei der Sozialversicherung
- Korrekte Dokumentation der Arbeitszeiten
- Status von Aushilfen und Praktikanten
- Aufenthaltsstatus und Arbeitserlaubnis bei ausländischen Arbeitskräften
- Steuerrechtliche Aspekte (besonders bei Barzahlungen)
Diese Dokumentationspflichten kommen auf dich zu
Arbeitszeiterfassung im Detail
Die wohl größte Änderung: Du musst künftig die Arbeitszeiten aller Beschäftigten täglich und lückenlos dokumentieren. Das betrifft nicht nur Vollzeitkräfte, sondern auch Minijobber, Auszubildende und Aushilfen.
Was dokumentiert werden muss:
- Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit
- Dauer und Lage der Ruhepausen
- Gesamtarbeitszeit pro Tag
- Sonn- und Feiertagsarbeit
- Alle Überstunden
Die Dokumentation kann handschriftlich, digital oder über Zeiterfassungssysteme erfolgen – sie muss jedoch täglich, zeitnah und nachvollziehbar sein. Ein nachträgliches Ausfüllen der Stundenzettel ist nicht erlaubt.
Sofortmeldung: Eine neue Pflicht für Friseure
Eine wichtige Neuerung für das Friseurhandwerk: die Sofortmeldepflicht. Anders als in anderen Branchen, wo Beschäftigte innerhalb von 6 Wochen angemeldet werden können, müssen Friseure künftig jeden neuen Mitarbeiter vor Arbeitsaufnahme bei der Deutschen Rentenversicherung anmelden – unabhängig davon, ob es sich um einen kurzfristigen oder langfristigen Job handelt.
Diese Sofortmeldung ergänzt die normale sozialversicherungsrechtliche Anmeldung und gilt auch für Aushilfen oder Springer.
Die Meldung muss folgende Angaben enthalten:
- Name und Anschrift des Arbeitgebers
- Name, Vorname und Anschrift des Beschäftigten
- Tag des Arbeitsbeginns
- Voraussichtliche Dauer der Beschäftigung
Achtung: Nicht oder verspätet gemeldete Arbeitnehmer gelten automatisch als illegal Beschäftigte. Das kann Bußgelder von bis zu 30.000 Euro zur Folge haben.
So bereitest du deinen Salon auf die Kontrollen vor
Die gute Nachricht: Wenn du bereits sauber arbeitest, brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Trotzdem solltest du dich vorbereiten:
Dokumentation überprüfen: Stelle sicher, dass alle Arbeitsverträge vollständig sind und den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Prüfe, ob alle Mitarbeiter korrekt angemeldet sind und die Sozialversicherungsbeiträge ordnungsgemäß abgeführt werden.
Zeiterfassung einführen: Falls noch nicht geschehen, führe ein System zur täglichen Arbeitszeiterfassung ein. Das kann ein einfacher Stundenzettel sein oder eine digitale Lösung – wichtig ist die lückenlose Dokumentation.
Mindestlohn kontrollieren: Rechne nach, ob alle Beschäftigten tatsächlich den gesetzlichen Mindestlohn erhalten. Vergiss dabei nicht, dass auch Trinkgelder und Provisionen mit eingerechnet werden müssen.
Mitarbeiter schulen: Erkläre deinem Team, warum die korrekte Zeiterfassung wichtig ist. Nur wenn alle mitziehen, funktioniert das System reibungslos.
Dokumente bereithalten: Sorge dafür, dass alle wichtigen Unterlagen griffbereit sind: Arbeitsverträge, Lohnabrechnungen, Sozialversicherungsnachweise und Arbeitszeitaufzeichnungen.
Checkliste: Bist du vorbereitet?
- ✅ Alle Mitarbeiter sind ordnungsgemäß angemeldet
- ✅ Arbeitsverträge sind vollständig und aktuell
- ✅ Arbeitszeiterfassung läuft täglich und lückenlos
- ✅ Mindestlohn wird bei allen Beschäftigten eingehalten
- ✅ Sozialversicherungsbeiträge werden pünktlich abgeführt
- ✅ Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis liegt bei ausländischen Mitarbeitern vor
- ✅ Alle wichtigen Dokumente sind leicht auffindbar
- ✅ Team ist über neue Regelungen informiert
Die Aufnahme ins Schwarzarbeitsgesetz mag zunächst nach mehr Bürokratie aussehen, ist aber letztendlich ein wichtiger Schritt für faire Wettbewerbsbedingungen. Wer bereits korrekt arbeitet, hat nichts zu befürchten – im Gegenteil: Die intensiveren Kontrollen sorgen dafür, dass schwarze Schafe endlich aus dem Markt gedrängt werden.

