Unternehmen in der Corona-Krise: D. Machts Group

Dennis Machts D. Machts Group

Das COVID-19 Virus, auch bekannt als das Coronavirus, ist derzeit das Thema Nummer eins in Deutschland. Die Zahl der Infizierten steigt täglich und die Bundesregierung kämpft mit allen Mitteln gegen die Ausbreitung der neuartigen Krankheit. Doch nicht nur gesundheitlich, auch wirtschaftlich steht das Land angesichts der Corona-Krise vor zunehmend großen Herausforderungen. Viele Unternehmen sehen durch Geschäftsschließungen, ausbleibende Kunden, Lieferunterbrechungen und Arbeitsausfälle ihre Existenz bedroht. Und auch wenn viel über Hilfsmaßnahmen und Sonderprogramme für deutsche Unternehmen geredet und diskutiert wird, bleibt doch eine große Unsicherheit.

Wir wollen nicht über euch reden, sondern mit euch! Wir möchten wissen, wie es Unternehmen in der Corona-Krise wirklich geht. Deshalb befragen wir regelmäßig KMU und Dienstleister zu ihren Erfahrungen mit Umsatzeinbußen, Ängsten, Hilfskrediten und Herausforderungen, die das COVID-19 Virus mit sich bringt. Die Gespräche teilen wir hier auf unserem Blog mit euch.

Interview mit Dennis Machts von der D. Machts Group in Deutschland

Dennis Machts D.Machts Group

Dennis Machts ist ein Friseurunternehmer mit Salons in Berlin, Oranienburg und Hamburg, der die Corona-Krise zwar als Herausforderung, aber auch als Chance sieht. Er versteht die Sorgen seiner Mitarbeiter und Kunden, ist aber zuversichtlich, das Beste aus der Situation zu machen.

Shore: Wie geht es euch denn mit der aktuellen Situation?

Dennis Machts: Also, grundsätzlich ist die Situation natürlich für alle ein bisschen beängstigend. Ich bin sehr, sehr froh, dass ich sehr loyale Mitarbeiter habe, die zu mir gesagt haben: „Wir werden die Situation gemeinsam meistern und den besten Weg für uns finden, um unbeschadet aus der Situation herauszukommen.“

Shore: Merkst du im Moment schon die ersten Einbußen und falls ja, wie stark sind diese?

Dennis Machts: Wir hatten bis letzte Woche Samstag tatsächlich noch ein tendenziell steigendes Geschäft, obwohl das Coronavirus da schon sehr präsent war. Aber seit Montag spüren wir massive Einbrüche. Und die verängstigen natürlich auch alle Mitarbeiter. Wir haben ja auch teilweise Center-Salons, da werden Center dann geschlossen oder zum großen Teil geschlossen. Wir leben dann im Prinzip nur noch von unseren Stammkunden, die wir haben, was natürlich, wie gesagt, beängstigend ist.

Shore: Beängstigend trifft es wahrscheinlich ganz gut. Du hast gerade gesagt, ihr spürt die Einbrüche im Geschäft. Gehen denn nur die neuen Buchungen zurück, oder stornieren Kunden auch schon ihre Termine?

Dennis Machts: Ja, ganz viele Kunden haben natürlich Angst davor, sich anzustecken. Wir arbeiten ja ganz nah am Kopf, Gesicht und Hals und jedem Kunden ist klar, dass da natürlich eine gewisse Gefahr besteht. Auch wenn wir versuchen, mit Desinfektion und anderen Maßnahmen alles auf die Reihe zu kriegen (was wir mit Sicherheit auch gut schaffen), kann ich die Angst meiner Mitarbeiter genauso verstehen wie die Angst meiner Kunden.

Shore: Ja, das verstehe ich. Habt ihr denn im Moment noch geöffnet? Was sind jetzt die größten Herausforderungen, mit denen du dich als Saloninhaber konfrontiert siehst?

Dennis Machts: Wir sind noch offen, überlegen aber, wie wir ab nächstem Montag mit der ganzen Situation umgehen. Wir sind schon dabei, uns umzustellen. In jeder Krise liegt ja auch immer eine Chance, aus der man etwas machen kann. Und genau das tun wir auch. Wir haben uns jetzt vorgenommen, die Salons nur noch mit halber Kraft zu fahren, während die andere Hälfte des Teams die Zeit nutzt, um sich weiterzubilden. Egal, ob im praktischen oder theoretischen Bereich, es gibt immer etwas, was man noch verbessern kann. Ich glaube, es liegt auch eine Riesenchance darin, innerhalb des Team noch näher zusammenzurücken, indem man versucht, das Beste aus der Situation zu machen und diese zu meistern. Mitarbeiter, die eine leichte Erkältung hatten oder die sich zu Hause um ihre Kinder kümmern müssen, haben wir nach Hause geschickt – sie können sich jetzt online weiterbilden. So versuchen wir, die Situation optimal für uns zu nutzen.

 

„In jeder Krise liegt ja auch immer eine Chance, aus der man etwas machen kann. Und genau das tun wir auch. “

Shore: Wir haben ja schon ein bisschen über Ängste von Kunden und Mitarbeitern gesprochen. Was sind denn die Hauptängste deiner Mitarbeiter und inwieweit hast du dafür Verständnis?

Dennis Machts: Ich habe versucht, meine Mitarbeiter bestmöglichst aufzuklären, auch mit Hilfe von dem, was ich erlesen konnte – also zum Beispiel Aussagen von Virologen. Damit verstehen meine Mitarbeiter die Krankheit und können nachvollziehen, warum bestimmte Sachen jetzt gemacht werden müssen. Aber ich finde, dass keine optimale Aufklärungsarbeit geleistet wird, weil zu vieles aufeinander passiert. Wenn man da noch mehr Klarheit reinbringen würde, könnten die Leute die Situation noch besser verstehen. Die Hauptängste meiner Mitarbeiter drehen sich meistens um die Fragen: Stecke ich mich an? Stecke ich vielleicht dann meine Großeltern an? Und was ist eigentlich genau los? Schützt mich der Mundschutz? Schützt mich das Desinfektionsmittel? Da gibt es viele Ängste, die auch absolut begründet sind.

Shore: Klar. Und bezogen auf den Arbeitsplatz? Wie reagieren die Mitarbeiter hier? Haben sie da Angst vor Gehaltseinbußen oder Existenzängste?

Dennis Machts: Ja, auch das. Ich glaube, die Existenzängste sind sogar deutlich größer als andere Ängste. Mitarbeiter fragen sich natürlich, was passiert, wenn sie Kurzarbeitergeld bekommen, wie lange die ganze Sache dauern wird und auch, ob man der Regierung vertrauen kann. Wie sicher sind die Worte “Wir haben für alle Geld”? Das sind eigentlich die Fragen, die mir am meisten gestellt werden. Am allerwenigsten geht es wirklich um das Coronavirus an sich. Vielleicht habe ich gut aufgeklärt, vielleicht habe ich die richtigen Links gesendet, über die meine Mitarbeiter die richtigen Informationen bekommen und keine Fake-News. Und damit ist vielleicht dahingehend eine gute Aufklärung da. Aber die größte Angst bezieht sich wirklich auf die Fragen: Werde ich in vier oder in acht Wochen immer noch Geld bekommen, sollte die Situation etwas länger dauern? Wird es wirklich so sein, dass genügend da ist? Ja, ich glaube, da passiert vielleicht etwas zu wenig.

Shore: Damit sind wir schon bei unserer nächsten Frage: Welche Informationen und welche Daten fehlen dir als Inhaber, aber auch deinen Mitarbeitern?

Dennis Machts: Ein klares Signal wäre, zu erklären, wer jetzt wo, wann, wie und was erwarten kann. Ein Beispiel hierfür wäre das Kurzarbeitergeld, das aus meiner Sicht nicht gerade klar definiert ist. Habe ich denn wirklich die Chance, 100 Prozent einzureichen, wenn mein Geschäft geschlossen wird? Denn ich kann ja nichts dafür. Ich habe viele, viele Jahre Steuern gezahlt und jetzt kann ich auch erwarten, dass man vielleicht mal etwas zurückgibt. In so einer Zeit wie jetzt wäre es schön, wenn eine klare Aussage getroffen werden würde: Liebe Unternehmer, in dieser schwierigen Situation rücken wir alle zusammen und erlassen oder bezuschussen euch bestimmte Kosten, die ihr nicht wegdrücken könnt, wie zum Beispiel die Miete. Ich glaube keiner hat eine Antwort auf die Fragen “Wie kalkuliere ich jetzt hier weiter?” oder “Wofür muss ich noch etwas Geld besorgen?” Und mir dann nur einen Kredit anzubieten… Ich habe von Freunden schon gehört, dass es mit diesen Krediten trotzdem nicht so einfach ist, wie es uns prophezeit wird. Und damit fällt natürlich jegliche Glaubwürdigkeit.

Shore: Kann man dann zusammenfassend sagen, dass euch als Inhabern und damit natürlich auch eurem Personal solche Informationen fehlen?

Dennis Machts: Richtig. Und wenn es Informationen gibt, würde ich mir keine schwammigen Aussagen, sondern klare Statements wünschen. Zum Beispiel: Wir sind in der Lage, so und so lange diese und jene Überbrückung zu schaffen. Die Unwissenheit, die jetzt herrscht, könnte auch negative Konsequenzen für unser Land haben – beispielsweise, dass Leute einfach resignieren und aufgeben.

„Unsere Aufgabe ist es damit auch, unsere Mitarbeiter zu führen, ihnen Ängste zu nehmen, sie auf den möglichst richtigen Weg zu bringen und dafür zu sorgen, dass sie mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.“

Shore: Ja, das wäre schade. Aktuell gibt es ja schon einige Hilfsmaßnahmen, die Unternehmen angeboten werden. Habt ihr davon schon welche angenommen oder plant, welche anzunehmen?

Dennis Machts: Ja, wir beschäftigen uns natürlich mit dem Kurzarbeitergeld, damit wir das rechtzeitig anmelden können. Ich denke, das wird jeder nutzen, auch wenn es jeden ja ganz unterschiedlich treffen wird. Da müssen wir dann mit leben, das müssen wir dann durchziehen. Das ist aber momentan mehr oder minder das Einzige. Natürlich werden wir uns auch um steuerliche Fragen kümmern und Stundungen beantragen. Aktuell haben wir noch keine Probleme, etwas zu bezahlen, aber keiner weiß ja, wie lange die jetzige Situation noch anhalten wird.

Shore: Ja, das stimmt. Du hast gesagt, dass du mit deinem Unternehmen versuchst, das Ganze als Chance zu sehen. Hast du denn noch ein paar Tipps an deine Kollegen, wie man mit der Situation und mit seinen Mitarbeitern umgehen sollte?

Dennis Machts: Wir sind Unternehmer, wir sollten alle die Gabe haben, Menschen zu führen. Unsere Aufgabe ist es damit auch, unsere Mitarbeiter zu führen, ihnen Ängste zu nehmen, sie auf den möglichst richtigen Weg zu bringen und dafür zu sorgen, dass sie mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Die Gewinner dieser Situation werden Unternehmer sein, die in dieser schwierigen Zeit für ihre Mitarbeiter da sind und ihnen auch dieses Gefühl vermitteln. Und wie gesagt, es kann hieraus auch eine Riesenchance entstehen. Dadurch, dass jetzt alle so eng zusammenrücken (also das meine ich jetzt symbolisch mit dem Zusammenrücken), kann ein völlig neues Miteinander entstehen. Weil wir wissen ja alle: Wenn man mal eine Krise durchgestanden hat, gewinnt man Vertrauen zueinander. Mit meinen besten Freunden habe ich bestimmt schon mal eine schwierige Situation gemeistert, deshalb sind wir ja mittlerweile auch beste Freunde.

Shore: Zusammenhalt ist also gerade in dieser Zeit besonders wichtig. Wie sieht es denn da branchenintern aus? Unterstützt ihr euch als Unternehmen gegenseitig, holt ihr euch Hilfe oder tauscht ihr Daten und Informationen aus?

Dennis Machts: Alle Kollegen sind mittlerweile erstaunlich freigiebig. Egal ob auf Social Media oder auf Blogs oder sonst wo. Die schreiben dann rein, wie sie gerade empfinden, was sie gerade festgestellt haben, welche Fehler sie vielleicht gemacht haben und so weiter. Ich finde, dass da schon zusammengerückt wird. Mit unseren Partner setzen wir uns auch immer wieder zusammen und überlegen, wie es weitergehen soll. Da bringen wir alle unsere Ideen zusammen, um unseren Unternehmen, unseren Salons und unseren Mitarbeitern etwas Gutes zu tun. Genauso wie wir es uns ja auch andersherum wünschen: Ich freue mich, wenn ich sehe, dass sich meine Mitarbeiter auch weiterhin noch Gedanken um den Salon machen und zum Beispiel Ideen für neue Farbtechniken entwickeln. Da bin ich unfassbar stolz drauf.

Shore: Vielen Dank, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast. Wir wünschen dir und deinen Mitarbeitern alles Gute für die Zukunft.

Und wie erlebst du die Corona-Krise?

Die aktuelle Situation stellt Selbstständige vor große Herausforderungen. Plötzlich bist du mit angeordneten Schließungen sowie Umsatzeinbußen konfrontiert und weißt nicht, ob und welche Hilfsmaßnahmen der Regierung für dich in Frage kommen. Musstest du schon schließen? Nimmst du jetzt staatliche Hilfe in Abspruch? Oder fühlst du dich von der Regierung im Stich gelassen? Berichte uns davon, wie du die Corona-Krise erlebst und was dich bewegt!

 

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