Friseure fordern Fairness – Für mehr Miteinander statt Gegeneinander

Friseure fordern Fairness

„Wir siegen nicht, wenn der andere am Boden liegt. Aber wir gewinnen, wenn wir uns die Hände reichen und zusammenstehen gegen das, was uns schadet und schwächt.“ Mit diesem Zitat wird man auf der Website der Initiative „Friseure fordern Fairness“ begrüßt – die gemeinsam von der Friseurinnung Düsseldorf sowie der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ ins Leben gerufen wurde. Ihr Anliegen: Ein fairer Wettbewerb und generell eine Zukunft für das Friseurhandwerk. Ihre Forderungen und Beweggründe dürften vielen Salons am Herzen liegen. Was möchten sie ändern? Und warum haben sie diese Initiative gegründet?

Schwere Zeiten für das Friseurhandwerk

Das Friseurhandwerk hat es gerade nicht leicht. Billigsalons sprießen überall aus dem Boden und zerstören mit ihren Dumpingpreisen Traditionssalons. Viele Friseure suchen händeringend nach Mitarbeitern, aber finden einfach niemanden. Ausnahmeregelungen werden fleißig verteilt und Kontrollen bleiben aus. Von Fairness ist schon lang nicht mehr die Rede. Auf ihrer Website stellt die Initiative „Friseure fordern Fairness“ vor allem drei Problematiken in de Fokus:

Punkt 1: Wettbewerbsverzerrung durch Steuererlass

Bundesweit ist etwa jeder vierte Friseursalon von der Umsatzsteuer befreit – bedeutet: sie fallen unter die Kleinunternehmerregelung und machen einen Umsatz von weniger als 17.500 Euro (ab 2020 liegt die Grenze bei 22.000 Euro). Als Kleinunternehmer ist man nicht umsatzsteuerpflichtig und kann seine Arbeit dem Endverbraucher somit 19 Prozent günstiger anbieten als die Konkurrenz. Die Initiative macht allerdings darauf aufmerksam, dass viele Salons jahrelang unter dieser Grenze bleiben und somit nur rund 1.450 Euro pro Monat oder weniger einnehmen. Das wiederum bedeutet einen Umsatz von gerade einmal 70 Euro pro Tag im Maximum. Bei diesen Einnahmen dürfte es schwierig sein, kostendeckend zu arbeiten und langfristig zu bestehen. Doch wo liegt nun das Problem? Sind diese Salons nicht eh schnell weg vom Fenster? Nein, viele Friseure bleiben jahrelang unter dieser Grenze – zahlen weniger Sozialversicherungen, manchmal sogar keine Einkommenssteuer und erhalten häufig zusätzliche Hilfe zum Lebensunterhalt. Das verzerrt den Wettbewerb, da diese Salons ihre Leistungen viel günstiger anbieten können. Außerdem müssen Kleinunternehmer in den seltensten Fällen mit einer Prüfung rechnen. Daher fordert die Initiative mehr Kontrollen für diese Betriebe, eine zeitliche Beschränkung der Umsatzgrenze oder einen steuerfreien Betrag von 17.500 Euro für alle Salons. Die Umsetzung dieser Forderungen dürfte schwierig werden, da sie dann auch für Kleinunternehmer aus anderen Branchen umgesetzt werden müsse. Zudem wurde gerade erst im Rahmen des Bürokratieentlastungsgesetzes III die Umsatzgrenze von 17.500 Euro auf 22.000 Euro angehoben.

„Stuttgarter Polizeibeamte haben Ende September gemeinsam mit Zoll, Handwerkskammer und der Gewerbebehörde zehn Barber-Shops kontrolliert. In sieben Läden wurde zur Schere gegriffen, was ohne Gewerbeanmeldung verboten ist.“

Harald Esse, Präsident des Deutschen Friseurhandwerks, in der tz

Barbershops bieten unerlaubte Leistungen an

Punkt 2: Viele Ausnahmen und keine Kontrollen

Das Friseurhandwerk gehört zu den zulassungspflichtigen Handwerken. Das bedeutet: Wer einen Friseursalon eröffnen möchte, benötigt eine Eintragung in die sogenannte Handwerksrolle – also einen Meisterbrief oder eine Ausnahmegenehmigung. Alle Tätigkeiten am Haupthaar (wie Haarschnitt, Farbe etc.) gehören zum zulassungspflichtigen Handwerk. Ausnahmegenehmigungen gibt es für Teilbereiche wie Bartschnitt, Afro-Shops, Flechtfrisuren etc. Das große Problem, auf das „Friseure fordern Fairness“ aufmerksam macht: Oft werden zusätzlich unerlaubte Leistungen angeboten, die anderweitig oder schwarz abgerechnet werden. Von einem dieser Beispiele erzählte Harald Esser, Präsident des Deutschen Friseurhandwerks, der tz: „Stuttgarter Polizeibeamte haben Ende September gemeinsam mit Zoll, Handwerkskammer und der Gewerbebehörde zehn Barber-Shops kontrolliert. In sieben Läden wurde zur Schere gegriffen, was ohne Gewerbeanmeldung verboten ist.“ Außerdem sind Berater unterwegs, die sich perfekt mit Gesetzeslücken auskennen und Friseuren so Wege in die Selbstständigkeit ohne Meisterbrief aufzeigen. Deshalb fordert die Initiative strengere Kontrollen, ob der Meisterpflicht im vollen Umfang nachgekommen wird, welche Leistungen wirklich in Salons angeboten werden, eine Meisterprüfung erst nach dreijähriger Gesellenzeit und das Verbot zwielichtiger Berater.

Punkt 3: Handwerk auf dem Abstellgleis

Punkt Nummer drei dreht sich um die Wahrnehmung des Friseurhandwerks in der Gesellschaft. Die Ausbildungen zum Friseur sind in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent* gesunken. Im Zuge der Akademisierung wird das Handwerk zunehmend schlechtgeredet. Dazu kommen Unterrichtsausfälle an Berufsschulen sowie personeller Notstand, durch den immer mehr Auszubildende durch die theoretische Prüfung fallen. Außerdem entspricht die Friseurausbildung nicht mehr den aktuellen Anforderungen und muss an die heutige Zeit angepasst werden. Hier fordert die Initiative mehr Wertschätzung für das Handwerk, mehr Lehrpersonal sowie schnellere Anpassungsmöglichkeiten im Berufsbildungssystem.

„Sie wissen doch, wie das läuft, die sind demotiviert und arbeiten schwarz.“

Ein Mitarbeiter der Agentur für Arbeit gegenüber „Friseure fordern Fairness“

Schwarzarbeit bei Friseuren

Punkt 4: Schwarzarbeit ohne Folgen

Zum 01. Juli 2019 waren 7.352* gelernte Friseure und Friseurhelfer arbeitslos gemeldet und weitere 17.718* arbeitssuchend. Trotzdem finden Friseure keine Mitarbeiter. Personal fehlt an allen Stellen. Doch die Arbeitssuchenden melden sich nur selten bei den vorgeschlagenen Arbeitgebern. Der Grund: Oft wird der Regelsatz durch Homeservice aufgebessert. Gesetzlich gesehen ist das jedoch Leistungsbetrug und Schwarzarbeit. Doch gegenüber „Friseure fordern Fairness“ bestätigte ein Mitarbeiter der Agentur für Arbeit: „Sie wissen doch, wie das läuft, die sind demotiviert und arbeiten schwarz.“ Die Missstände werden einfach hingenommen. Daher fordert die Initiative mehr Kontrollen, deutliche Sanktionen bei Nichtbeachten der Mitwirkungspflicht zur Arbeitssuche, bei Leistungsmissbrauch und Schwarzarbeit sowie die Sensibilisierung der Endverbraucher. Schließlich gehören immer Zwei dazu.

Unterstütze die Initiative „Friseure fordern Fairness“

Wenn du dir auch mehr Fairness in der Friseurbranche wünschst, kannst du die Initiative „Friseure fordern Fairness“ auf ihrer Website mit deiner Stimme unterstützen – für mehr Miteinander statt Gegeneinander!

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*Quellen: Die genannten Zahlen stammen von der Website der Initiative „Friseure fordern Fairness“

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